Würde im Alter

Frankfurter Programm Würde im Alter

Ambulante Altenpflege – Psychosoziale Beratung und Begleitung
14 Projekte, die aus städtischen Mitteln finanziert werden, richten sich vorrangig an dementiell und psychisch Erkrankte, sozial isolierte und ältere Menschen mit Behinderungen. Das Programm hat in den vergangenen acht Jahren die Lebensqualität der älteren Menschen in Frankfurt nachhaltig verbessert.

www.aelterwerden-in-frankfurt.de/frankfurter-programm

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„Mittwochs wird immer zusammen gekocht, das Gemüse geschnipselt, das Fleisch gebraten – je nachdem, auf welches Gericht sich die Gruppe in der Woche zuvor verständigt hat. „Mittwochs anderswo“ ist eines von zwei Freizeitangeboten, die die Alten-und Krankenpflege „Kontakt“ im Rahmen ihrer „Offenen Hilfen für ältere Menschen mit Behinderungen“ anbietet – eines von 15 Projekten innerhalb des „Frankfurter Programms – Würde im Alter“. Seit zehn Jahren gibt es diese freiwillige Leistung der Stadt.

Nach Inkrafttreten der Pflegeversicherung 1995 hatten Altenpflegeheime und Pflegedienste Alarm geschlagen: Sie hatten beobachtet, dass nicht alle in der Praxis relevanten Bedarfe abgedeckt waren. Ältere Menschen mit psychosozialen Problemen, psychischen Erkrankungen oder Behinderungen, Demenz oder Verhaltensauffälligkeiten fielen schlicht durchs Raster. Die Politik reagierte und beschloss im Jahr 2000 ein Sofortprogramm. Pia Flörsheimer, die Leiterin der Leitstelle Älterwerden, entwickelte das Konzept und koordiniert nach wie vor im Rathaus für Senioren das Hilfesystem. Den runden Geburtstag feierten jetzt im Beisein von Sozialdezernentin Prof. Dr. Daniela Birkenfeld Klienten und Mitarbeiter der Kooperationsprojekte im Café Anschluss im Rathaus für Senioren.
Für Stadträtin Birkenfeld ist das „Frankfurter Programm heute aktueller denn je“. Mit Blick auf die demografische Entwicklung, die Zunahme demenzieller Erkrankungen und den wachsenden Pflegekräftemangel sei mit einem Anstieg des Bedarfs an ambulanten Hilfen zu rechnen.

Auch denen helfen, die nicht nach Hilfe fragen

Individuelle und vor allem nachhaltige Hilfe: Das möchten Pia Flörsheimer und die 14 Kooperationspartner den jährlich 300 bis 400 Betroffenen bieten. „In der Regel sind dies Menschen, die psychisch krank oder auffällig sind, aber bislang noch nie das soziale Hilfesystem in Anspruch genommen haben. Menschen mit erfahrener sozialer Benachteiligung, die oft isoliert leben, bei denen sich die Probleme im Alter meist verschärfen“, umreißt Flörsheimer die Zielgruppe. Um diese Menschen zu erreichen, sei es vor allem wichtig, eine Vertrauensbeziehung aufzubauen, schildert sie: „Wir gehen so oft hin, wie es nötig ist, bis sie uns die Tür öffnen und merken, dass wir ihnen auf Augenhöhe begegnen und sie ernst nehmen.“ Mit drei Millionen Euro fördert die Stadt im Jahr das Programm „Würde im Alter“. Mit 1,15 Millionen Euro davon können die ambulanten Hilfen der kooperierenden Partner finanziert werden. Das Angebot ist vielschichtig: Überwiegend würde „zugehende Beratung“ angeboten, aber auch soziale Kontakte ermöglicht, so Flörsheimer.

Ein- bis zweimal die Woche suchen die Sozialarbeiterinnen und der Sozialpädagoge von „Kontakt“ ihre Klienten auf und bieten ihnen praktische Hilfen im Alltag, berichtet Pflegedienstleiterin Elvi Walther. Sie sprechen mit ihnen, helfen ihnen, ihren Tag, ihre Woche zu strukturieren, die Wohnung aufzuräumen, begleiten sie zur Schuldnerberatung oder schauen mit ihnen die Post durch, zählt Walther auf. „Echte Highlights“ in der Woche seien die Freizeitangebote „Mittwochs anderswo“ und im Sommer der Gartenbesuch. „Es ist ein Zusammenhalt gewachsen. Es wird zum Geburtstag gratuliert oder jemandem, der krank ist, eine Genesungskarte geschrieben“, sagt die Pflegedienstleiterin: „Das Frankfurter Programm ist für diese Menschen eine ganz wichtige Lebenshilfe.“

Diese Sicht teilt Pia Flörsheimer: „Unser Ziel war es, die Lebenssituation der Betroffenen zu verbessern und zu erreichen, dass sie Fähigkeiten zurückgewinnen. Das ist uns gelungen und für uns eine Erfolgsbilanz.“ Trotzdem legen weder sie noch die Kooperationspartner die Hände in den Schoß. Regelmäßig besprechen sie, wo sie zusätzliche Bedarfe erkennen. So zeichne sich der „Gender-Aspekt“ als ein Punkt ab: Frauen und Männer würden unterschiedlich mit der Gesundheitsvorsorge umgehen. Männer reagieren ablehnender als Frauen, auch wenn sie unter einschränkenden gesundheitlichen Problemen leiden, so Flörsheimer.“
Sonja Thelen – Klartextanzeige aus der Senioren-Zeitschrift-Frankfurt

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