Freizeitangebot: „Mittwochs Anderswo“

Freizeitangebot: „Mittwochs Anderswo“

Im Rahmen des Projekts „Offene Hilfen“ hat sich seit Mai 2003 eine feste Gruppe gebildet, die sich jeden Mittwoch in einem Raum mit Teeküche des Weißfrauenstifts trifft, zusammen kocht, ißt, kommuniziert. Die Teilnehmenden werden von einem Fahrdienst abgeholt und wieder nach Hause gefahren. Der Zeitrahmen beträgt vier Stunden (von 11 bis 15 Uhr).

Die Beteiligten des Projekts „Offene Hilfen“ sind Menschen mit psychischen Erkrankungen und teilweise eingeschränkten Kommunikationsmöglichkeiten. 

Die Idee einer eigenen Freizeitgruppe für unsere Klientel konnte Gestalt annehmen als das St. Katharinen- und Weißfrauenstift uns ein Raumangebot in seiner Altenwohnanlage in der Schwarzburgstraße machte. Der Raum ist leicht zugänglich im Parterre gelegen und hat eine gut eingerichtete Teeküche.

Die konkrete Ausgestaltung der wöchentlichen Treffen wurde bewußt offen gehalten. Es ging vor allem darum, einen Rahmen zu schaffen für ein Zusammensein mit anderen Menschen in ähnlichen Lebenssituationen. Die Möglichkeit zur Kommunikation und das Freizeitangebot selbst mitzugestalten, stand dabei im Vordergrund. Die Idee einer „Kochgruppe“ erschien in diesem Zusammenhang am geeignetsten, da sich hier Aktivität, Kommunikation und Wohlbehagen gut verbinden lassen. Die unterschiedlichen intellektuellen und körperlichen Voraussetzungen der einzelnen Teilnehmer/innen können ebenfalls berücksichtigt werden und stellen für diese Aktivität kein Hindernis dar. Zudem ist auch die Tageszeit, in der der Raum genutzt werden kann (11-15 Uhr), für ein solches Angebot sehr günstig.

Das Gruppenangebot richtet sich in erster Linie an Klienten unseres Projektes, aber auch an die Bewohnerinnen der Altenwohnanlage des Weißfrauenstifts. Sie wurden mit einem Flugblatt und einem Plakat am Eingang des Hauses eingeladen. Wir stießen zwar auf Neugier und Interesse, eine längerfristige Teilnahme von Bewohnerinnen ergab sich aber nicht.

Nach einer relativ kurzen Zeit bildete sich eine feste Gruppe von 7 Personen. Die Teilnahme ist für alle sehr verbindlich. Der Mittwoch wurde für sie ein fester Termin, was sich z.B. daran zeigt, daß niemand an diesem Tag einen Arzt- oder sonstigen Termin festgelegt haben will und daß jeder selbständig und pünktlich auf den Fahrdienst wartet, der sie zum Weißfrauenstift bringt.

Das Mittagessens bereiten alle zusammen vor — ihren Möglichkeiten und Interessen entsprechend. Lediglich das Kochen muß aus Platzgründen von einer Mitarbeiterin übernommen werden. Nach dem Essen gibt es noch Kaffee und Nachtisch. Dabei wird gemeinsam das nächste „Menue“ besprochen und der neue Einkaufszettel erstellt.

Gemeinsam in der Gruppe zu essen ist für alle Teilnehmer/innen ein zusehend großes Vergnügen. Die selbsthergestellten, schmackhaften und abwechslungsreichen Gerichte, die sich sehr vom üblichen Mittagessen unterscheiden, spielen hierfür eine große Rolle. Alle essen gut und reichlich und was übrig bleibt, wird in mitgebrachten Tupperdosen mit nach Hause genommen. Auch der soziale Aspekt spielt eine wichtige Rolle. Die Teilnehmer essen nicht mehr alleine, sie achten aufeinander, machen sich nützlich und helfen sich gegenseitig.

Zunehmend entwickelt sich auch ein großes, persönliches Interesse untereinander. Die Kommunikation wird zunehmend eigenständiger und es herrscht eine gute gegenseitige Akzeptanz. Ob jemand sehr dick ist, humpelt, Sprachschwierigkeiten oder ein anderes Handikap hat, spielt keine besondere Rolle. Es werden Alltagsprobleme und Ereignisse aus dem täglichen Leben besprochen und nach Rat gefragt.

Der feste Termin des Mittwoch-Treffens spielt auch während der restlichen Woche eine positive Rolle. Die Teilnehmer haben einen festen wöchentlichen Termin, auf den sie sich freuen und oft auch Anknüpfungspunkt ist für Gespräche zwischen ihnen und den Mitarbeiter/innen, die sie zu Hause besuchen.

Neu ist, daß sich langsam auch ein Interesse entwickelt, Kontakte außerhalb der Mittwochsgruppe herzustellen. So lud schon eine Dame eine andere aus der Gruppe an Weihnachten zu sich nach Hause ein. Obwohl alles ausgemacht war, das Gastgeschenk schon gekauft wurde, fand der Besuch dann leider doch nicht statt, weil sie sich letztendlich nicht getraut hat, alleine dorthin zu gehen.

Daran zeigte sich, daß manche Klienten gerne noch zusätzlichen Kontakt, auch außerhalb von „Mittwochs Anderswo“ haben wollen, aber (noch) nicht in der Lage sind, dies ohne Unterstützung zu realisieren. D. h., daß es nötig ist, daß die Mitarbeiter/innen sie zu solchen Verabredungen begleiten. Dann wird es auch möglich sein, verabredete Besuche, geplante gemeinsame Unternehmungen u. a. m. außerhalb des Mittwochs in die Tat umzusetzen. 

Das Angebot ist auf Verselbständigung, die Aktivierung und den Ausbau eigener Fähigkeiten angelegt. Ein Ziel, das teilweise erreicht wurde. Aufgrund der psychischen Erkrankungen der Teilnehmenden ist aber eine intensive direkte Zuwendung, Anleitung und Unterstützung von Seiten der Mitarbeiter/innen nach wie vor notwendig. In diesem Sinne sind auch ihrer Aktivierung und ihrer Selbständigkeit Grenzen gesetzt – ohne diese jetzt festschreiben zu wollen. 

Gelungen ist es, den Teilnehmenden der Gruppe ein Stück Lebensqualität zu geben: Sie sind aus ihrer sozialen Isolation herausgetreten und haben lebhaften, direkten Kontakt mit anderen Menschen, was ihnen die Möglichkeit eröffnet, diese sozialen Kontakte auszubauen. Ihr Leben wird nicht mehr nur von ihrer Vergangenheit bestimmt, sondern aktuell und gegenwärtig findet etwas statt, was sie beschäftigt, wo sie sich einbringen können, wovon sie anderen erzählen. 

Ausflüge

Neben dem festen „Mittwochs Anderswo“-Termin arrangierten wir noch verschiedene andere Aktivitäten mit der Gruppe. Eigene Vorschläge kamen nur sehr dürftig, da die meisten Teilnehmenden in den letzten Jahren kaum ihren Stadtteil verlassen hatten. Unser erster Ausflug war eine Bootsfahrt auf dem Main. Großes Interesse erregten die vielen Neubauten am Mainufer, und es ergaben sich interessante Gespräche, wie die Gegend früher aussah. Großen Eindruck hinterließ ein Ausflug in die Wetterau zum Grillen. Frankfurts Stadtgrenzen ganz hinter sich zu lassen vermittelte den Teilnehmenden fast das Gefühl eines „Kurzurlaubs“. Auch ein Grillnachmittag im Garten einer Kollegin auf dem Lohrberg fand sehr große Begeisterung. Trotz der Mühe mit unebenem Boden und Plumpsklo genossen alle das Erleben der Natur. Unser kultureller Ausflug in das Musical „Sing-Sing-Sing“ fand nicht so riesigen Anklang. Das lange, ruhige Sitzen und der fehlende kulinarische Genuß schmälerte etwas das Wohlgefallen. Auch der Besuch einer Zirkusveranstaltung am Ratsweg fand nur mäßiges Gefallen. Der obligatorische Besuch des Frankfurter Weihnachtsmarkts darf natürlich in keinem Jahr fehlen.

 




Bericht von Christine Nanz als Anlage zum Sachbericht 2004 des Frankfurter Sofortprogramms ambulante Altenpflege für das Projekt „Offene Hilfen für ältere Menschen mit Behinderungen“

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